„Das sehe ich aber anders!“

„Das sehe ich aber anders!“
Was tun bei menschenverachtenden Bemerkungen, Vorurteilen und Stammtischparolen?

Wie reagiere ich, wenn an der Bushaltestelle, beim Gespräch am Gartenzaun oder zwischen den Regalen im Supermarkt diskriminierende oder rassistische Äußerungen fallen? Situationen wie diese kennt fast jede und jeder: Ein beiläufiger Kommentar, ein abfälliger Witz, eine pauschale Verurteilung – und schon steht eine menschenverachtende Aussage im Raum. Gerne würde man solchen Sprüchen spontan und selbstbewusst ein beherztes „Das sehe ich aber anders!“ entgegensetzen. Doch so einfach ist das nicht. Zum einen braucht es Mut, sich im Alltag offen zu positionieren, zum anderen fehlen häufig die passenden Worte.

Reaktionen auf derlei „Stammtischparolen“ einzuüben und Sicherheit im Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen zu gewinnen – darum ging es bei einem Workshop, der am 27. März 2025 von der EEB Regionalstelle Lüneburg & Verden in Kooperation mit der Kirchengemeinde Thedinghausen veranstaltet wurde. Unter dem Titel „,Das sehe ich aber anders!ʻ“ – Ein Training zum Umgang mit menschenverachtenden Bemerkungen, Vorurteilen und Stammtischparolen“ kamen zahlreiche Interessierte zusammen, um sich mit genau diesen Fragen auseinanderzusetzen: Wie kann ich klar widersprechen, ohne selbst verletzend zu werden? Wie bleibe ich ruhig, wenn mein Gegenüber laut oder provokant wird? Und wo liegen meine persönlichen Grenzen?

Mit Hilfe anschaulicher Beispiele aus dem Alltag und praxisnaher Übungen zeigte die interkulturelle Trainerin Helga B. Gundlach auf, wie man auf Zeitgenoss:innen reagieren kann, die sich menschenverachtend oder abwertend äußern. In Rollenspielen wurden typische Gesprächssituationen nachgestellt, Argumentationsstrategien ausprobiert und unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten reflektiert. Dabei ging es nicht darum, „die perfekte Antwort“ zu finden, sondern darum, eine eigene Haltung zu entwickeln und diese authentisch zu vertreten. Die Teilnehmenden lernten, mit Rückfragen zu arbeiten, Pauschalisierungen zu entkräften und Grenzen klar zu benennen – ruhig, respektvoll und bestimmt.

Gleichzeitig wurde im Verlauf des Workshops deutlich, dass Zivilcourage nicht bedeutet, sich selbst in Gefahr zu bringen. Es gibt Situationen, in denen das eigene Sicherheitsgefühl Vorrang haben muss.

Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass zum Bedauern der Thedinghausener Pastorin Cathrin Schley nicht alle Interessierten teilnehmen konnten. Der hohe Zuspruch zeigte, wie sehr das Thema viele Menschen bewegt und wie groß der Bedarf an konkreter Unterstützung im Alltag ist. Maike Bajaa, Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Lüneburg & Verden, zeigte sich erfreut darüber, mit diesem Angebot offenbar einen Nerv getroffen zu haben: „Die EEB ist froh, dass wir durch Trainings wie diese Menschen darin unterstützen können, in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben und für eine offene, respektvolle Gesellschaft einzutreten.“

 

Mit dem Programm „Der Haltung eine Stimme geben“ wird die EEB Regionalstelle Lüneburg & Verden auch 2026 eine Reihe weiterer Seminare anbieten, um den Teilnehmenden den Rücken zu stärken, sie zu ermutigen und sie dazu zu befähigen, eine menschenfreundliche und demokratische Haltung selbstbewusst zu vertreten. Denn eine respektvolle Gesellschaft beginnt im Kleinen: dort, wo Menschen widersprechen, zuhören, nachfragen – und Haltung zeigen.

Christine Reinhardt, Februar 2026

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