Jüdisches Leben abseits von Klischees

Wie lebt es sich 2025 als junge Jüdin in Deutschland?

Angesichts zunehmend spürbarer antisemitischer Ressentiments und Übergriffe ist diese Frage aktueller denn je. Antworten darauf gab die Autorin und Influencerin Tanya Raab am 10. Oktober 2025 in Lüneburg. Auf Einladung der EEB Regionalstelle Lüneburg & Verden las sie im „mosaique – Haus der Kulturen“ Lüneburg aus ihrem Buch „Shalom zusammen“ und sprach offen über jüdisches Leben jenseits von Klischees.

Mehr als 60 Besucher:innen waren der Einladung gefolgt und erlebten einen Abend, an dem sowohl die persönlichen Erfahrungen der Autorin als auch die gesellschaftliche Dimension des Themas sichtbar wurden.

2000 in der Ukraine geboren, kam Tanya Raab im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Seit 2019 studiert sie an der Universität Potsdam Deutsch und Russisch auf Lehramt. Bekannt wurde sie einer breiteren Öffentlichkeit durch ihren aktivistischen Instagram-Account „@oy_jewish_mamma“, auf dem sie über Judentum, Antisemitismus und Erinnerungskultur aufklärt. Mit niedrigschwelligen Formaten und alltagsnahen Einblicken erreicht sie dort insbesondere junge Menschen. Sie ist eine gefragte Gesprächspartnerin, wenn es um zeitgenössisches jüdisches Leben in Deutschland geht. Und sie verfügt über das, was der Hessische Rundfunk „Online-Chuzpe“ nannte.

Tanya Raab machte deutlich, dass jüdisches Leben anders gelebt werden kann, als man es erwartet, und berichtete von ihren Erlebnissen, wenn sie zum Beispiel mit Davidstern-Kette ins Fitnessstudio geht oder mit Regenbogen-Kippah durch die Stadt. Sie sprach über Traditionen und Rituale, die ihr Halt geben, über religiöse Praxis im Alltag und über die Selbstverständlichkeit, mit der sie Jüdin ist – ohne sich auf diese Identität reduzieren lassen zu wollen.

Hinter ihren locker vorgetragenen Anekdoten steht jedoch oftmals eine ernste Realität: die Abwägung zwischen Sichtbarkeit und Selbstschutz. Besonders eindringlich waren daher auch jene Momente, in denen Raab die Ambivalenz ihres öffentlichen Engagements beschrieb. Immer wieder müsse sie neu entscheiden, wie viel sie preisgibt, wo sie sich positioniert und wann Zurückhaltung geboten ist.

Der Abend im mosaique – mit Lesung und anschließender Diskussion – zeigte, wie groß das Interesse an authentischen Einblicken in jüdisches Leben ist. Zugleich machte er deutlich, wie wichtig Räume sind, in denen persönliche Erfahrungen geteilt und gesellschaftliche Fragen offen diskutiert werden können. Es sind solche Formate, die dazu beitragen, Perspektiven zu erweitern, Dialogfähigkeit zu stärken und die eigene Haltung im Austausch mit anderen weiterzuentwickeln.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe ANNE (Antisemitismusprävention mit der Niedersächsischen Erwachsenenbildung) statt. Die EEB Regionalstelle Lüneburg & Verden dankt dem Landesdemokratiezentrum Niedersachsen und dem Landespräventionsrat Niedersachsen für die Bereitstellung der Gelder und der AEWB für die Koordinierung des Projektes.

Maike Bajaa und Christine Reinhardt, Januar 2026

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